Zwischen Wetterstein, Allgäu, Berchtesgadener Land und dem Nürnberger Umland liegen einige der eindrucksvollsten Schluchten Deutschlands. Wer hier unterwegs ist, bekommt keine endlosen Höhenmeter um der Höhenmeter willen, sondern kurze, intensive Abschnitte mit Wasser, Fels, Stegen und oft guten Anschlussmöglichkeiten für längere Bergtouren. Ich zeige dir, welche Klammen in Bayern sich für Wandern und Trailrunning wirklich lohnen, wie sie sich unterscheiden und worauf ich bei Planung, Saison und Sicherheit achte.
Die wichtigsten Punkte für deine nächste Schluchtour
- Für den ersten Besuch sind Partnachklamm, Breitachklamm und Almbachklamm die verlässlichsten Ziele mit guter Infrastruktur.
- Wer mehr Ruhe sucht, ist in der Schwarzachklamm oder der Wimbachklamm oft besser aufgehoben.
- Für sportliche Kombinationen mit längeren Wanderungen ist die Höllentalklamm besonders stark, weil der Zustieg Teil der eigentlichen Tour ist.
- In engen Klammen ist rutschfestes Schuhwerk wichtiger als Tempo; Trailrunning funktioniert hier meist eher auf den Zustiegen und Rückwegen.
- Öffnungszeiten ändern sich teils saisonal oder wetterbedingt, deshalb lohnt vor dem Start immer ein kurzer Check.
Warum Klammen so gut zu Wandern und Trailrunning passen
Ich mag Klammtouren vor allem deshalb, weil sie in kurzer Zeit sehr viel Erlebnis verdichten. Das Gelände ist meist schmal, feucht und akustisch extrem präsent: Wasser rauscht, Felswände wirken nah, und selbst eine kurze Passage bleibt im Kopf. Für Wanderer ist das ein Vorteil, weil man mit wenig Zeitaufwand ein starkes Naturerlebnis bekommt. Für Trailrunner gilt allerdings eine andere Logik: In der Klamm selbst geht es selten um Tempo, sondern um sauberen Tritt, Rücksicht und oft auch um Geduld, weil die Wege eng und frequentiert sind.
Genau daraus ergibt sich der eigentliche Reiz. Die Klamm ist oft nicht die Strecke für den Rhythmus, sondern das Herzstück einer Tour, die davor oder danach auf Waldwegen, Graten, Almzufahrten oder Höhenpfaden weiterläuft. Wer das versteht, plant realistischer und erlebt die Tour deutlich besser. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf die unterschiedlichen Schluchttypen sehr konkret.
Die Klammen, die ich in Bayern zuerst empfehlen würde
Für die Auswahl schaue ich nicht nur auf Bekanntheit, sondern auf den praktischen Nutzen: Wie lang ist der Klammabschnitt, wie gut lässt er sich mit einer Runde verbinden, und für wen passt er wirklich? Die folgenden Ziele decken aus meiner Sicht die wichtigsten Suchabsichten ab, von der kurzen Familienrunde bis zur alpinen Tagestour.

| Klamm | Region | Charakter | Typische Daten | Mein Eindruck |
|---|---|---|---|---|
| Partnachklamm | Garmisch-Partenkirchen | Kurz, ikonisch, gut kombinierbar | Beliebte Runde ab ca. 6,3 km und 1:55 h; Öffnung meist 8 bis 20 Uhr im Sommer und 8 bis 18 Uhr von Oktober bis Mai; Eintritt aktuell 10 € für Erwachsene, 5 € für Kinder und Jugendliche | Der beste Einstieg, wenn du viel Eindruck in wenig Zeit willst. |
| Breitachklamm | Oberstdorf und Kleinwalsertal | Flexibel, gut ausgebaut, ganzjährig stark nachgefragt | Mai bis September 9 bis 17:30 Uhr, im Herbst und Winter meist 9 bis 16:30 Uhr; Eintritt aktuell 9 € für Erwachsene und 2,50 € für Kinder; bis zur Kontrollstelle etwa 2 km und rund 45 Minuten | Sehr solide Wahl für Familien, Einsteiger und wechselhaftes Wetter. |
| Höllentalklamm | Grainau am Zugspitzgebiet | Alpin, steiler Zustieg, Übergang in größere Bergtouren | Die Klamm ist etwa 700 m lang; Zustieg ab Hammersbach rund 3 km und etwa 300 Höhenmeter; die Eingangshütte ist saisonal geöffnet, Winterbetrieb gibt es nicht | Für alle, die die Klamm nicht nur anschauen, sondern als Teil einer echten Bergtour erleben wollen. |
| Almbachklamm | Marktschellenberg | Wasserreich, steinig, gut mit Aussichtstouren kombinierbar | Beliebte Tour: 6,3 km, 2:30 h und 426 hm; der Steig führt über viele Brücken, Stege, Stufen und einen Tunnel | Sehr gut, wenn du eine Klamm mit spürbar mehr Wanderanteil suchst. |
| Wimbachklamm | Ramsau bei Berchtesgaden | Kurz, wild, ideal als Einstieg oder Zusatzabschnitt | Etwa 200 m Schluchtweg; Eintritt ab 7 Jahren 4 €; saisonal meist Ende April bis Ende Oktober geöffnet | Kurzer, sehr dichter Schluchtmoment, der sich gut mit einer größeren Tour verbinden lässt. |
| Schwarzachklamm | Schwarzenbruck im Nürnberger Land | Nah an der Stadt, ruhig, geologisch interessant | Rundweg um 6,6 km und 1:40 h mit etwa 70 hm; die eigentliche Schlucht ist gut 2 km lang und ganzjährig begehbar | Die beste Option, wenn du ohne Alpenanreise eine ernstzunehmende Schluchtwanderung willst. |
| Starzlachklamm | Burgberg und Rettenberg im Allgäu | Klein, intensiv, eher saisonal | Von Mai bis Oktober geöffnet; Eintritt aktuell 4 € für Erwachsene und 2,50 € für Kinder; die Klamm ist nur rund 800 m lang, wirkt aber sehr kompakt | Ein guter Zielort für eine kurze, eindrückliche Allgäu-Runde mit Wasser und Fels. |
Die richtige Wahl hängt deshalb weniger von der berühmtesten Schlucht als von deinem Tagesziel ab. Genau danach würde ich auch die nächste Tour sortieren.
So wählst du die passende Tour nach Niveau, Zeit und Wetter
Ich trenne Klammwanderungen gern in drei Gruppen. Das hilft, Erwartungen sauber zu setzen und Enttäuschungen zu vermeiden.
Für den ersten Besuch
Wenn du einfach eine starke Klamm erleben willst, ohne gleich einen halben Bergtag zu planen, sind Partnachklamm und Breitachklamm die sichersten Empfehlungen. Beide sind gut erschlossen, klar beschildert und bieten genug Infrastruktur für Menschen, die mit Schluchtwegen noch keine große Routine haben. Die Partnachklamm ist stärker als kurzer Klassiker inszeniert, die Breitachklamm fühlt sich variabler an und bleibt auch bei wechselhaftem Wetter gut machbar.
Für Familien und ruhige Halbtage
Die Wimbachklamm und die Schwarzachklamm funktionieren gut, wenn du keine große alpine Strapaze suchst. Die Wimbachklamm liefert auf wenigen Metern sehr viel Wirkung, die Schwarzachklamm bietet dafür mehr Weglänge, mehr Ruhe und ein fast schon städtisches Luxusproblem: Sie liegt so nah an Nürnberg, dass man sie auch für einen halben freien Nachmittag mitnehmen kann. Für Kinder sind solche Touren meist angenehmer als lange An- und Abstiege, weil das Ziel klar ist und der Weg nicht überfordert.
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Für Trailrunning und längere Bergtage
Hier wird es aus meiner Sicht besonders interessant. In der Höllentalklamm ist die eigentliche Klamm nur ein Teil der Geschichte, denn der Zustieg, der Übergang zur Höllentalangerhütte und die Verbindungen Richtung Zugspitze oder Alpspitze machen den Reiz aus. Auch die Partnachklamm lässt sich gut in größere Rundtouren einbauen, etwa mit Vordergraseck, Partnachalm oder als Auftakt ins Reintal. Für Trailrunner heißt das: Die Klamm ist selten der Ort für sauberes Tempo, aber oft der Ort, an dem eine Tour landschaftlich erst richtig gut wird. Mit dieser Sortierung im Kopf wird die Planung deutlich einfacher.
Worauf ich bei Anreise, Eintritt und Ausrüstung achte
Bei Klammen scheitert eine gute Tour selten an der Kondition, sondern eher an Kleinigkeiten: falsche Schuhe, zu späte Anreise, fehlende Saisonprüfung oder unterschätzte Nässe. Genau da würde ich ansetzen.
- Früh starten: In der Partnachklamm sind Besuche werktags vor 10:30 Uhr oder nach 15:00 Uhr deutlich entspannter. Das gilt sinngemäß auch für andere Hotspots, vor allem an Wochenenden.
- Saison und Sperrungen prüfen: In der Breitachklamm kann es je nach Jahreszeit zu längeren Schließphasen kommen, weil Wartungsarbeiten und Witterung eine Rolle spielen. In der Höllentalklamm und an vielen Berghängen ist Schnee im Frühjahr oft noch ein Thema.
- Auf passendes Schuhwerk setzen: Selbst gut ausgebaute Steige können feucht und rutschig sein. Ich würde in Klammen fast immer Schuhe mit griffiger Sohle wählen und bei längeren Touren Stöcke nur dort einsetzen, wo der Weg breit genug bleibt.
- Eintritt und Zahlungsmittel einplanen: In mehreren Klammen wird Eintritt verlangt. In der Breitachklamm sind an einzelnen Kassen und Parkplätzen teils nur Barzahlungen möglich, während die Partnachklamm Karten- und Online-Tickets nutzt.
- Barrierefreiheit nicht voraussetzen: In der Partnachklamm sind Kinderwagen, Buggys und Rollatoren nicht erlaubt. Viele andere Klammen sind zwar teils familienfreundlich, aber deshalb nicht automatisch barrierearm.
- Wetter ernst nehmen: Regen macht die Felsen glatter, Nebel dämpft Sicht und Orientierung, und in engen Schluchten reagieren Wege schneller auf Wasser als auf Talrouten. Ein kurzer Wettercheck vor dem Start spart viel Ärger.
Wenn das sitzt, lohnt der Blick auf konkrete Touren, die sich wirklich sauber kombinieren lassen.
Diese Rundtouren würde ich als Nächstes machen
Statt nur einzelne Klammen anzuschauen, plane ich gern direkt eine Runde daraus. Das macht den Tag runder und verhindert, dass du nach dem Klammabschnitt einfach nur umdrehst und das Beste verpasst.
- Partnachklamm mit Graseck oder Partnachalm Die einfache Runde durch die Klamm und zurück über Graseck liegt bei etwa 6,29 km und 1:55 h. Wer etwas mehr gehen will, nimmt die Variante zur Partnachalm mit rund 7,55 km und 2:35 h. Das ist die Tour, die ich den meisten Besuchern zuerst geben würde, weil sie kurz genug für einen halben Tag bleibt und trotzdem nach Berg aussieht.
- Breitachklamm mit Zwingsteg und Alpe Dornach Hier wird aus dem Schluchtbesuch schnell ein ordentlicher Rundweg. Ab der Walserschanz braucht man bis zum Zwingsteg etwa 20 Minuten, und die längere Schleife zurück zum Parkplatz nimmt ungefähr 45 Minuten mehr in Anspruch. Für mich ist das die beste Kombination aus Zugänglichkeit und landschaftlicher Abwechslung im Allgäu.
- Almbachklamm mit Ettenberg oder Maria Gern Die offizielle Tour durch die Almbachklamm dauert etwa 2:30 h auf 6,3 km. Wer daraus mehr machen will, kombiniert die Schlucht mit Ettenberg oder Maria Gern und landet schnell bei deutlich längeren Halbtagesrunden. Das lohnt sich besonders, wenn du Wasser, Fels und Einkehr zusammenhaben willst.
- Höllentalklamm bis zur Höllentalangerhütte Das ist die Tour für alle, die eine Klamm nicht isoliert denken. Der Zustieg ab Hammersbach ist mit rund 3 km und 300 Höhenmetern schon ein echter Einstieg, und die Klamm selbst öffnet den Weg ins große Berggelände. Für Trailrunner ist das landschaftlich stark, technisch aber nur sinnvoll, wenn man mit alpinen Bedingungen umgehen kann.
Ich würde diese vier Kombinationen als das praktischste Grundset für Schluchten in Bayern sehen: kurz, mittel, sportlich und alpin. Damit hast du fast jede sinnvolle Suchintention abgedeckt, ohne dich in der Vielfalt zu verlieren.
Was du dir vor Ort merken solltest, damit die Tour gut bleibt
Am Ende zählt für mich nicht nur, welche Klamm du besuchst, sondern wie du sie gehst. Wer in Schluchten zu schnell startet, an der falschen Stelle überholen will oder bei Nässe auf leichtem Material spart, macht sich den Tag unnötig schwer. Wer dagegen den Charakter der Schlucht akzeptiert, die Tour passend auswählt und die Bedingungen ernst nimmt, bekommt einen der stärksten Outdoor-Momente, die der Süden Deutschlands zu bieten hat.
- Wähle für den ersten Besuch lieber eine gut erschlossene Klamm als ein vermeintlich spektakuläres Nischenziel.
- Baue Trailrunning in Klammen eher über Zustiege, Schleifen und Rückwege ein als über die enge Passage selbst.
- Rechne bei Wasserläufen immer mit Feuchtigkeit, Spritzwasser und rutschigem Untergrund, auch im Sommer.
- Plane die Rückkehr nicht zu knapp, weil Wetter, Besucherandrang und kurze Sperrungen den Rhythmus ändern können.
Wenn du damit startest, vermeidest du die typischen Fehler auf Schluchtouren. Und genau so werden die Klammen in Bayern nicht nur ein Fotostopp, sondern echte Touren, die man gern noch einmal geht.