Der Saucony Ride 19 ist kein Schaum-Experiment für die Vitrine, sondern ein neutraler Trainingsschuh für konstante Kilometer auf Asphalt und festen Wegen. In der aktuellen Version setzt Saucony stärker auf mehr Dämpfung, ein anpassungsfähigeres Obermaterial und eine ruhigere Abrollbewegung. Genau deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick: Was kann der Schuh wirklich, für wen passt er, und wo sind die Grenzen?
Das Wichtigste zum Ride 19 auf einen Blick
- Neutraler Daily Trainer: gedacht für lockere Läufe, längere Grundlageneinheiten und Alltagstraining.
- Technik: PWRRUN+ mit 36/28 mm und 8 mm Sprengung, dazu ein atmungsaktives Mesh-Obermaterial.
- Gewicht: 255 g in der Herren- und 220 g in der Damenversion, also komfortabel, aber nicht ultraleicht.
- Passform: Regular und Wide sind verfügbar, was breiteren Füßen entgegenkommt.
- Preis in Deutschland: aktuell oft 128 € statt 160 € UVP auf der deutschen Saucony-Seite.
- Einordnung: stark für ruhige bis moderate Läufe, weniger überzeugend für harte Intervalle oder technische Trails.

So läuft der Ride 19 im Alltag
Ich würde ihn als verlässlichen Kilometer-Sammler beschreiben. Der Schuh zielt klar auf den Laufalltag: lockere 5 bis 15 Kilometer, längere ruhige Einheiten, Pendelstrecken zum Parkrun oder auch ein moderates Tempo-Training, solange du keine maximale Spritzigkeit erwartest.
Wichtig ist die Grenze nach unten wie nach oben. Auf glattem Asphalt, festen Parkwegen und befestigten Schotterwegen fühlt er sich stimmig an. Auf technischen Trails, nassem Wurzelwerk oder matschigen Abfahrten ist er nicht zuhause. Genau das macht ihn für viele Straßenläufer interessant, aber für Trailrunner nur dann sinnvoll, wenn sie einen reinen Straßenschuh für die Rotation suchen.
Die ehrliche Einordnung: Das ist ein Schuh für Beständigkeit, nicht für Effekthascherei. Wer einen unkomplizierten Daily Trainer sucht, findet hier mehr Komfort als Nervosität. Wer ein aggressives Tempogerät erwartet, wird eher woanders glücklich. Bevor man ihn mit anderen Saucony-Modellen vergleicht, lohnt sich der Blick auf das, was technisch tatsächlich neu ist.
Welche Änderungen man beim Laufen wirklich merkt
Der größte Schritt ist die überarbeitete PWRRUN+-Zwischensohle. Saucony setzt sie weicher und reaktionsfreudiger ein als zuvor, ohne den Schuh in Richtung maximaler Highstack zu überdrehen. In der Praxis bedeutet das: mehr Komfort unter dem Fuß, ein geschmeidigeres Abrollen und etwas mehr Reserven für längere Läufe.
| Merkmal | Was das praktisch bedeutet |
|---|---|
| PWRRUN+ Zwischensohle | mehr Dämpfung und spürbar mehr Rückgabe als beim Vorgänger |
| 36 mm Ferse / 28 mm Vorfuß, 8 mm Sprengung | klassische Daily-Trainer-Geometrie mit natürlichem Abrollen |
| 255 g / 220 g | solide, aber nicht ultraleicht |
| Hightech-Mesh und gepolsterter Fersenkragen | angenehmer Sitz, mehr Komfort im Alltag |
| mehr Gummi vorn und Flexrillen | bessere Haltbarkeit und flüssigere Abrollbewegung |
In einigen Tests wird außerdem beschrieben, dass die Plattform breiter und der Schuh etwas steifer geworden ist. Das klingt erstmal nach einem Widerspruch zum Wort „weich“, ist es aber nicht: Mehr Dämpfung kann den Ride 19 komfortabler machen, während eine stabilere Basis die Kontrolle verbessert. Der Preis dafür ist eine etwas geringere Leichtigkeit bei schnellen Wechseln. Für mich ist das kein Fehler, sondern eine klare Priorisierung. Wer den Vorgänger für seine lebendigere Art mochte, spürt hier die Richtungsänderung deutlich. Wer mehr Ruhe und Unterfußschutz will, bekommt genau das. Als Nächstes zählt die Passform, denn Komfort steht und fällt bei diesem Modell stark mit der richtigen Breite.
Wie Passform und Weite ausfallen
Die deutsche Produktseite führt Regular und Wide, und genau das ist einer der sinnvollsten Punkte beim Kauf. Der Ride 19 ist kein Schuh, den ich blind in irgendeiner Standardweite empfehlen würde. Bei normal schmalen bis durchschnittlichen Füßen dürfte Regular passen. Wer einen breiteren Vorfuß hat, im Mittelfuß schnell Druck bekommt oder bei längeren Läufen spürbar anschwillt, sollte Wide ernsthaft prüfen.
Das Obermaterial aus Mesh gibt etwas nach, bleibt aber strukturiert. Dazu kommt eine gepolsterte Ferse, die den Sitz im Alltag angenehmer macht. Das hilft nicht nur beim Laufen, sondern auch beim Gehen. Für den Stadtlauf, Reisen oder den Weg zur Arbeit ist das ein echter Pluspunkt. Gerade in einem Alltag, in dem man nicht nur läuft, sondern auch viel steht oder unterwegs ist, macht sich diese unaufdringliche Bequemlichkeit bemerkbar.
Mein Rat: Wenn du zwischen zwei Größen schwankst, priorisiere bei diesem Modell die Breite vor der Länge. Ein zu enger Vorfuß nervt hier schneller als ein minimal großzügiger Zehenraum. Danach stellt sich die eigentliche Frage: Für welche Läufe ist der Schuh stark genug, und wo würde ich bewusst zu etwas anderem greifen?Für welche Läufe er stark ist und wann ich ihn nicht nehmen würde
Der Ride 19 ist am überzeugendsten, wenn das Tempo nicht im Vordergrund steht. Genau dafür wurde er gebaut. Ich würde ihn in diesen Situationen einordnen:
- Lockere Dauerläufe: hier spielt die Dämpfung ihre größte Stärke aus.
- Lange, ruhige Einheiten: der Schuh schützt ordentlich, ohne komplett schwammig zu werden.
- Regenerationsläufe: angenehm, wenn die Beine müde sind und du trotzdem sauber abrollen willst.
- Alltag und Gehen: die komfortable Ferse und das flexible Obermaterial machen ihn alltagstauglich.
- Moderate Progressionen: möglich, solange du keine harte Intervallarbeit planst.
Weniger Sinn ergibt er für schnelle Bahnintervalle, sehr zackige Tempowechsel oder Wettkämpfe, in denen jedes Gramm zählt. Auch auf technischen Trails würde ich ihn nicht einsetzen. Dafür fehlt ihm die spezielle Außensohle und die Geometrie eines echten Trailmodells. Wenn du also aus Trailrunning-Sicht auf der Suche nach einem Ergänzungsschuh bist, ist er eher die saubere Straßenoption zwischen zwei Geländeschuhen als ein Ersatz für einen Trailtrainer.
Ich sehe das pragmatisch: Ein Schuh darf auch mal unaufgeregt sein, wenn er genau das erledigt, was man von ihm erwartet. Die spannende Frage ist deshalb weniger, ob er alles kann, sondern wie er sich gegen den Vorgänger und gegen ähnlich gedachte Allrounder schlägt.
Wie er sich gegen Ride 18 und andere Allrounder schlägt
| Modell | Charakter | Wofür ich es wählen würde |
|---|---|---|
| Ride 18 | etwas direkter und agiler | wenn du mehr Leichtigkeit und etwas mehr Spaß bei flotteren Läufen willst |
| Ride 19 | weicher, ruhiger, stabiler | wenn Komfort, Schutz und Alltagstauglichkeit wichtiger sind |
| Guide 19 | mehr Support und mehr Führung | wenn du ein stabiles Modell für tägliche Kilometer brauchst |
Die Richtung ist klar: Der Ride 19 entfernt sich ein Stück von der früheren, etwas verspielteren Art der Serie und rückt näher an den komfortorientierten Daily Trainer. Das muss man mögen. Wer den Ride bisher als unkomplizierten, etwas lebhafteren Allrounder geschätzt hat, könnte den 19er als weniger spritzig empfinden. Wer dagegen vor allem eine rundere Dämpfung und ein stabileres Auftreten sucht, bekommt mit der neuen Version wahrscheinlich das reifere Paket.
Wenn ich das auf eine einfache Entscheidung runterbreche, lautet sie so: Ride 18 für etwas mehr Agilität, Ride 19 für mehr Komfort, Guide 19 für mehr Führung. Damit ist die Entscheidung nicht spektakulär, aber sehr brauchbar. Fehlt nur noch die Frage, ob der Preis in Deutschland gerade vernünftig ist.
Wann sich der Kauf in Deutschland wirklich lohnt
Aktuell ist der Schuh auf der deutschen Saucony-Seite häufig mit 128 € statt 160 € UVP gelistet. Das ist für einen modernen Daily Trainer mit PWRRUN+ und breiter Größenabdeckung ein ordentlicher Preis, vor allem wenn du ohnehin auf der Suche nach einem belastbaren Straßenschuh bist und nicht nur nach einem Zweitpaar für gelegentliche Läufe.
Positiv finde ich außerdem, dass das Modell vegan ist und Recycling-Material enthält. Das ist nicht der Hauptgrund für den Kauf, aber ein seriöser Zusatzpunkt, wenn du bei Laufschuhen auch auf die Materialseite achtest.
- Kaufen würde ich ihn, wenn du einen neutralen Straßenschuh für viele ruhige Kilometer willst, breite Füße hast oder ein bequemes Modell für Alltag und Training suchst.
- Abwarten würde ich, wenn du fast nur Intervalle läufst, einen klaren Wettkampfschuh suchst oder auf technischen Trails unterwegs bist.
- Besonders sinnvoll ist er, wenn du deine Rotation um einen belastbaren Daily Trainer ergänzen willst und der Schuh nicht dein schnellstes, sondern dein zuverlässigstes Paar sein soll.
Unterm Strich ist der Ride 19 für mich kein lauter Trendartikel, sondern ein vernünftiger Straßenschuh mit klarer Aufgabe. Genau das macht ihn interessant: Er versucht nicht, alles zu sein, sondern im Alltag möglichst wenig falsch zu machen. Wenn du das suchst, lohnt sich ein genauer Blick; wenn du mehr Tempo oder mehr Gelände brauchst, solltest du gezielt in eine andere Richtung kaufen.